[Rezension] Nichola Reilly - Herrscher der Gezeiten





Titel: Herrscher der Gezeiten
Autor: Nichola Reilly
Preis: 14.99€
Seiten: 352 Seiten
Format: gebunden
Verlag: Mira / Darkiss
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2015
Teil: 1/3
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Die Welt ist überflutet. Die letzten Überlebenden sammelten sich vor langer Zeit auf einer Insel. Jedes Mal, wenn die Flut kommt, retten sie sich auf eine höher gelegene Plattform. Nicht mal mehr 500 von ihnen sind übrig geblieben. Und es werden immer weniger. Unter den Inselbewohnern befindet sich auch Coe. Von den meisten Leuten hält sie sich fern und kaum jemand beachtet sie. Einzig die junge Fern und Tiam, den sie heimlich anhimmelt, stehen ihr nahe. Aber so etwas wie richtige Zuneigung oder Freundschaft ist auf der Insel Tides unbekannt bzw. sogar verboten. Jeder bleibt für sich allein.
Dieses trostlose Leben führt Coe schon seit etlichen Gezeiten. Aber als sie auf einmal zur Hofdame der Prinzessin befördert wird, ändert sich für das bis dahin als Kloputzerin arbeitende Mädchen alles. Der Herrscher der Insel liegt im Sterben, die Leute werden unruhig. Und mitten in diesem Tumult kommt Coe einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Gibt es etwa eine Möglichkeit, die Inselbewohner zu retten?


Nichola Reilly zeichnet in ihrem Buch eine trostlose, postapokalyptische, verlorene Welt. Die Bewohner von Tides haben nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Die ganze Technologie, die wir kennen, gibt es dort schon lange nicht mehr. Niemand außer dem Herrscher und der Prinzessin hat einen trockenen, warmen Schlafplatz. Alles ist immer nass, feucht, oder komplett überflutet. Und niemand zeigt Zuneigung oder Vertrauen gegenüber jemand anderem. Denn jeder könnte bei der nächsten Flut von der Plattform gedrängt werden und sterben.
"Wir bauten auf und bauten auf, wurden immer kultivierter und verbrauchten alles, was wir auf dieser Welt verbrauchen konnten. Als wir dann nichts mehr übrig hatten, begannen wir den Hügel, den wir bestiegen hatten, wieder hinunterzurutschen, immer weiter. Jetzt sind wir fast ganz unten angelangt, dort, wo wir begonnen haben. Jeder Mensch für sich allein." (Nichola Reilly, "Herrscher der Gezeiten", S. 150)

Die Protagonistin Corvina Kettlefish, kurz Coe, ist ganz anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Abweichend von den normalerweise perfekt aussehenden, beliebten Figuren solcher Romane hat Coe nur eine Hand, stinkt permanent nach Fisch und Scheiße, hat überall Narben und ist ganz anders als die anderen. Überhaupt nicht angepasst mit ihren hellen lichtempfindlichen Augen und den komischen Haaren. Sie hat kaum Selbstvertrauen. Dennoch - oder genau deswegen - mag ich sie viel lieber als alle anderen Protagonisten, die mir in Jugenddystopien bisher untergekommen sind. Sie spiegelt die Trostlosigkeit der Welt hervorragend wieder.

Das Szenario an sich fand ich überraschend neu und anders, sowas habe ich bisher noch nicht gelesen. Die Story selbst verläuft eher ruhig, war aber dennoch fesslend und sehr atmosphärisch - wenn auch ein wenig zu geradlinig. Am Anfang bekommt man erstmal einen Überblick, wie das (Über)Leben auf Tides funktioniert, aber bald war klar, worauf die Geschichte herausläuft. Und dann gab es für mich keine überraschende Wendung. Wenige Kämpfe kommen in der zweiten Hälfte des Buches vor, sonst steht Action aber nicht im Vordergrund sondern die Lüftung des Geheimnisses, das der König immer gut verborgen gehalten hat. Ganz am Ende taucht dann auch noch ein fantastisches Element auf - man darf gespannt sein, ob der nächste Teil der (vermutlichen) Trilogie da noch mehr draus macht. Der erste Teil ist mehr oder weniger abgeschlossen, am Ende bleibt aber noch die ein oder andere Frage offen im Raum stehen.

Der Schreibstil ist einfach, ich empfand das Buch als leicht und flüssig zu lesen. Das Cover finde ich wirklich sehr hübsch, der Titel ist allerdings nicht richtig passend. Gezeiten gibt es zwar mehr als genug, allerdings niemanden, der darüber herrscht. Da sind die englischen Titel wohl besser (#1 "drowned", #2 "buried").

Das postapokalyptische Szenario hat mich vollkommen überzeugt. Ich habe das Buch gerne gelesen, hätte mir aber ein paar mehr Wendungen gewünscht. Insgesamt dennoch überraschend anders.



Vielen Dank an Blogg dein Buch!

Kommentare:

  1. Hallo :)
    das Buch klingt echt gut! Jetzt steht es schonmal auf meiner Wunschliste. Coe klingt nach einer etwas anderen Protagonistin! Und postapokalytsiche Geschichten sind sowieso meins :D

    Liebe Grüße

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  2. Das Buch wäre was für meine "soften Lesestunden" :D
    KLingt auf jeden Fall gut, vor allem deine Aussage mit der Optik der Hauptfigur hat mich letztlich überzeugt mal reinzuschnuppern :3

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