[Rezension] Jan Holmes - Kains Königsweg




Titel: Kains Königsweg
Autor: Jan Holmes
Preis: 11.95€
Seiten: 207 Seiten
Format: Taschenbuch
Verlag: aavaa
Erscheinungsdatum: 01.08.14




Ein fast 16-Jähriger verliert bei einem Autounfall seine Familie. Nach seiner Genesung macht er sich viele Gedanken über Recht und Unrecht. Er, der seinen Bruder getötet hat. Zunächst bleibt er passiv, doch bald mischt er sich aktiv ein, wenn andere Verfehlungen begehen. Er will den rechten weg gehen, Kains Königsweg. Doch um Frieden mit sich selbst schließen zu können, muss er seine Vergangenheit aufrollen und alles über die Umstände erfahren, die zu diesem tragischen Unfall führten. Und den Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.


"Kains Königsweg" ist kein einfacher Roman. Der Klappentext ließ mich einen Thriller vermuten. Es handelt sich aber eher um ein Drama bzw. um die Geschichte eines jungen Mannes, der eine schwere Zeit durchleben musste. Nach einem tragischen Unfall und einer schweren Verfehlung möchte er ein besseres Leben anfangen .

Das Buch beginnt mit der Szene des Autounfalls. Schon bald schweift der Ich-Erzähler aber in die Vergangenheit ab. Man erfährt von seinem inhaftierten Vater und wie die Familie sich um Geld bemühen musste. Dabei handelt es sich um illegale oder zumindest nicht besonders angesehene Geschäfte. Die Familie blieb weitestgehend unter sich und gibt ein recht trostloses Bild ab. Hier wird nichts beschönigt. Durch die Rückblicke auf die Jugend und Kindheit des Protagonisten bekommt der Leser einen sehr guten Einblick in das Leben des Ich-Erzählers. Und dieses steht in "Kains Königsweg" definitiv im Vordergrund. Uninteressant war es nicht, aber ich kam nur zäh voran. Ich brauchte auch einige Zeit, mich mit dem Schreibstil anzufreunden. Durch die oftmals sehr langen Sätze kam ich nur langsam vorwärts. Positiv anmerken kann ich aber, dass der Leser häufig direkt angesprochen und somit zum Nachdenken angeregt wird.

Auch nach dem Unfall wird es nicht direkt besser. Der einzige Überlebende hat immer noch mit den Geistern seiner Vergangenheit zu kämpfen. Um der Welt zu entfliehen, betrinkt er sich zunächst regelmäßig und dämmert nur noch dahin. Bis ihm das Geld ausgeht und er etwas ändern muss. Der Weg zu einem guten Leben ist mindestens genauso schwierig, wie die Vergangenheit. Aber was ist schon gut, was ist recht und was unrecht? Der junge Mann sammelt im Lauf der Geschichte viele wichtige Erfahrungen. Ich fand es sehr interessant, seine Entwicklung mitzuverfolgen. Allerdings auch ein wenig erschreckend. War er am Anfang noch ein zurückhaltender kleiner Junge, so schreckt er gegen Ende des Buches vor nichts mehr zurück, um die Informationen zu bekommen, die er haben möchte. Doch was genau er eigentlich will, weiß er selbst nicht so recht. Er strauchelt von einem Punkt zum nächsten, wie das im richtigen Leben auch oft ist. 
Auch wenn ich nicht alle seine Handlungen nachvollziehen konnte, litt ich doch mit ihm. Gerade während der Genesungsphase nach dem Autounfall schafft es der Autor unglaublich gut, die Gedanken und Gefühle des Protagonisten in Worte zu fassen. Das Ende des Romans ist offen und es bleiben noch einige Fragen ungeklärt.

"Kains Königsweg" ist nichts für zwischendurch, sondern ein Roman, auf den man sich wirklich einlassen muss. Jan Holmes erzählt eine traurige, dramtische Geschichte, die auf Umwegen zu einem radikalen Höhepunkt führt. Ich hoffe, der Ich-Erzähler hat anschließend seinen Frieden gefunden.





Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Prinzipiell lese ich eigentlich eher ungerne Dramen. Klingt aber auf jeden Fall nicht schlecht :)

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