[Rezension] Heike Vullriede - Notizen einer Verlorenen

 


Titel: Notizen einer Verlorenen
Autor: Heike Vullriede
Preis: 12.99€
Seiten: 260
Format: Taschenbuch broschiert
Verlag: Luzifer Verlag
Erscheinungsdatum: 28. November 2013








"Im dämmrigen Licht alter Petroleumlampen in einer verlassenen Scheune entdeckt ein Unbekannter die Leiche von Sarah. Fliegen schwirren um ihren Kopf, der unter der Last eines schweren Ofens - Teil einer bizarren Maschinerie - zerquetscht wurde. Unter ihrem Körper findet sich ein rotes Notizbuch. Es enthält Aufzeichnungen der letzten Wochen ihres jungen Lebens: die Notizen einer Verlorenen.."


"Es war, wie in einem Alptraum. Da ist es genauso. Man sieht sich in ein Unglück laufen und kann sich einfach nicht dagegen wehren." (Heike Vullriede - Notizen einer Verlorenen, S. 55)
Zum Inhalt hab ich ausnahmsweise mal den Klappentext kopiert, weil ich einfach nicht zu viel verraten möchte. Wie man sich wahrscheinlich denken kann, handelt das Buch davon, wie es so weit gekommen ist, dass Sarah zerquetscht unter dem Ofen gefunden wird. Vorweg kann ich sagen, obwohl das Ende sehr blutig und grausam klingt, enthält das restliche Buch fast keine brutalen Szenen. Man braucht sich also nicht fürchten, die ganze Zeit zur von zerfetzten Körpern zu lesen. 

Vielmehr ist es eine ganz andere Grausamkeit, der man begegnet. Langsam tastet sich die Autorin an das Thema "Selbstmord" heran. Heike Vullriede regt zum Nachdenken an, erzählt dabei aber die wahnsinnig fesselnde Geschichte der jungen Frau Sarah.

"Am selben Abend noch erfand ich einen aufregenden Selbstmord für mich. Er sollte ungewöhnlich, todsicher und auf keinen Fall durchführbar sein, ganz anders als in den morbiden Träumereien mit Jens damals, während denen uns eine düster trostlose Stimmung leitete." (Heike Vullriede - Notizen einer Verlorenen, S. 162)

Darf ein Mensch über sein eigenes Ende entscheiden? Müsste man nicht alles erdenkliche tun, um jemanden von so einer Entscheidung abzubringen? Ich war oft sprachlos und überrascht, die Story geht mir unter die Haut. Das Buch hat mich total in seinen Bann gezogen. Eine solche Geschichte habe ich bis jetzt noch nie gelesen. Durchweg spannend, dramatisch und fast schon zum Verzweifeln.

"Ich frage mich noch heute: Ist es unterlassene Hilfeleistung, dass ich nichts dagegen unternahm, oder war es eher anstößig als sträflich?" (Heike Vullriede - Notizen einer Verlorenen, S. 132)
Generell herrscht eine düstere Stimmung. Witz und Humor, wie man ihn in manch anderen Krimis findet, gibt es hier gar nicht. Höchstens eine ganz besondere Art von Galgenhumor. Sarah ist sehr negativ eingestellt. Sie lebt alleine, ist oft genervt, verzweifelt und hat schon oft selbst oder mit ihrem Ex-Freund Jens über Selbstmord nachgedacht. Dennoch ist sie mir nicht unsympathisch, sondern ich kann sie sogar verstehen.
"Notizen einer Verlorenen" ist wirklich ein ganz besonderes Buch. Beklemmend, anders, regt zum Nachdenken an und ist fesselnd bis zur letzten Seite. Ist eines meiner Top-Bücher des Jahres 2013.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare sind erwünscht! :) aber bitte freundlich bleiben