[Rezension] Stephen King - joyland





Titel: joyland
Autor: Stephen King
Preis: ~12€ (ist aber auch günstiger erhältlich)
Seiten: 288
Format: Taschenbuch
Verlag: Hard Case Crime
Erscheinungsdatum: 04. Juni 2013

Die deutsche Ausgabe ist in gebundener Form beim Heyne Verlag für 19.99€ erhältlich.




Der 21-Jährige Student Devin Jones arbeitet die Ferien über im Freizeitpark "joyland", um sich etwas dazuzuverdienen. Er betreibt und wartet die Fahrgeschäfte, verkauft Essen und tanzt in einem Kostüm, das das Parkmaskottchen Howie den Hund darstellt, für die Kinder. Die Beziehung mit seiner Freundin Wendy geht währenddessen schleichend zugrunde, er leidet an Liebeskummer. Zu allem Überfluss macht ihm eine Wahrsagerin auch noch mystische Prophezeihungen und in einer Attraktion, dem Horror House, soll es spuken.


Dort wurde eine Frau brutal ermordet. Während einer Fahrt durch die Geisterbahn wurde ihr die Kehle durchgeschnitten und sie aus dem Wagen geworfen. Der Mörder wurde nie gefasst. Seherisch begabte Menschen können die Erscheinung der Frau sehen und reagieren verstört, andere meiden die Bahn komplett, weil sie verflucht sei.
In Devins Unterkunft wohnen noch zwei weitere Studenten, die in "joyland" arbeiten. Mit ihnen freundet er sich schnell an. Als einer von ihnen den Geist sieht, ist Devins Interesse geweckt. Er will der Sache nachgehen und stellt fest, dass es sich um einen Serienmörder handelt. Devin tritt dabei eine Reihe von Ereignissen los, die zu einem großen und gefährlichen Showdown führt.

Außerdem kreuzen sich die Wege des jungen Studenten mit denen des todkranken Jungen Mike und dessen Mutter Annie. Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sieht er die beiden bei ihrem Haus sitzen. Der Junge winkt ihm jedes Mal, die Frau ist abweisend und beachtet ihn nicht weiter. Als Devin den beiden eines Tages hilft, einen Drachen fliegen zu lassen, lernen sie sich besser kennen. Mike, der sich seines baldigen Todes sehr stark bewusst ist, freut sich über Devins Gesellschaft, während seine Mutter Angst hat, ihren Sohn zu verlieren und dem Fremden zunächst misstrauisch gegenübersteht. Als der Junge darum bettelt, einmal einen Tag in "joyland" verbringen zu dürfen, ermöglicht Devin ihm diesen Traum, nachdem Annie endlich nachgibt. Der sehr gelungene Tag im Freizeitpark endet für Devin schließlich in einer kleinen Romanze mit Annie, bei der er endlich seine Unschuld verliert.

Als der Student eines Nachts dem Mörder, den er gesucht hat, gegenübersteht, ist es mit dem Spaß plötzlich vorbei.


Das Buch beginnt recht gemächlich und geht auch erstmal so weiter. Wie sich herausstellt, handelt es sich hier nicht um einen typischen Horror-Roman, wie man ihn von King erwarten würde. Es gibt zwar einen Geist und eine unheimliche Attraktion im Vergnügungspark "joyland", diese sind aber nicht der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte und weder gefährlich und bösartig gesinnt noch mit irgendwelchen Schockeffekten versehen.

Stattdessen begleitet man den von Liebeskummer geplagten Studenten Devin. Er fühlt sich im Park wohl und verlängert seinen Aufenthalt sogar, um seinen Problemen zu entkommen und erstmal Abstand zu nehmen. Man begleitet ihn beim Erwachsenwerden. Er erlebt sein "erstes Mal" und wird zugleich mit einem Thema konfrontiert, dass noch viel unbehaglicher ist: Sterblichkeit.

Außerdem macht man ausführlichst Bekanntschaft mit allen möglichen Personen aus dem Park, aus Devins Unterkunft sowie mit dem sterbenskranken Jungen und seiner Mutter. Man fragt sich, ob überhaupt noch etwas passiert, denn den Großteil des Buches geht es sehr beschaulich zu. Wer viel Action erwartet, der wird hier sicherlich enttäuscht.

Ab und zu gibt es zwar Übersinnliche Ereignisse und das dann doch etwas blutige und dramatische Finale. Die meiste Zeit ist es aber einfach eine gut erzählte, ruhige Geschichte. Die Dialoge sind toll gewählt, die Sprache gefällt mir. Die Geschichte spielt übrigens in den 60er Jahren, was dem ganzen einen tollen nostalgischen Hauch verlieht.

Wer sich bei "joyland" auf einen Horror-Thriller einstellt, wird enttäuscht sein. Es handelt sich viel mehr um eine Geschichte übers Erwachsenwerden. Anstatt vom Geist der ermordeten Frau gegruselt zu werden, werden einem die sehr realen Schrecken des wahren Lebens vor Augen geführt. Die in diese Geschichte eingebundene Kriminalermittlung ist zugegebenermaßen nicht wirklich mitreißend, führt aber zu einem kurzen, aber heftigen Finale. Die Geschichte entwickelt mit der Zeit einen schlecht in Worte zu fassenden Tiefgang, der sie absolut lesenswert macht.


1 Kommentar:

  1. Na das klingt doch richtig gut, dann weiß ich ja, welches Buch ich mir zum Geburtstag schenken lassen kann. :-)
    Das englische Cover sieht allerdings ganz schön altbacken aus :-)

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