[Rezension] Sergej Lukianenko - Weltengänger







Titel: Weltengänger
Autor: Sergej Lukianenko
Preis: 15€
Seiten: 592
Format: Taschenbuch
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: November 2007








Als Kirill Maximow eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, findet er eine ihm unbekannte, unsympathische Frau in seiner Wohnung vor. Sie behauptet, hier schon seit drei Jahren zu wohnen. Und die Wohnung sieht auch gar nicht mehr nach seiner aus: andere Fliesen, andere Möbel. Und sogar sein Hund Cashew erkennt ihn nicht mehr. Kirill ruft natürlich die Miliz. Doch es stellt sich heraus, dass die Wohnung tatsächlich auf die Frau - Natalja Iwanowa - zugelassen ist. Und es wird sogar noch seltsamer, denn bald erkennen ihn weder seine Freunde noch seine Familie, und in seiner Firma weiß man auch nichts von Kirill.

Er ist jetzt ein Fremder, ein Unsichtbarer. Weder die Kassiererin im Supermarkt noch die Miliz nimmt ihn wahr, denn sie können sich schon nicht mehr an ihn erinnern, sobald er ihr Blickfeld verlässt. Als er dann verwundert durch die Straßen Moskaus schlendert, erreicht ihn ein mysteriöser Anruf, der ihn zu einem verlassenen alten Wasserturm führt. Dort steht ein Bett und er legt sich zum Schlafen nieder. Als er aufwacht, hat sich der Turm verwandelt. Aus dem kahlen Wasserturm ist eine kleine hübsche Wohnung mit mehreren Stockwerken geworden. Verwundert sieht sich Kirill um und stellt fest, dass es fünf Türen und Fenster gibt, die jeweils in eine andere Welt zu führen scheinen. Nach und nach öffnen sie sich, Kirill wird zum Weltengänger.

In seinem neuen Leben muss er die Funktion eines Zöllners übernehmen, der Menschen durch seinen Turm in andere Welten passieren lässt. Er ist ein sogennantes Funktional und hat dementsprechende Fähigkeiten. Kirill kann sich gegen potenzielle Angreifer verteidigen und sogar schwere Verletzungen heilen schnell wieder. Zumindest, solange er sich nicht mehr als 10km von seinem Turm wegbewegt. Doch warum das alles so ist, ist ihm noch immer unklar. In Kimgim, der ersten anderen Welt, zu der er neben Moskau durch seinen Turm gelangen kann, lernt er bald andere Funktionale kennen, die ihm aber auch nichts genaueres Erzählen können, nur "es ist halt so".

Als er jedoch auf eine Gruppe von Widerstandskämpfern trifft, die das System der Funktionalen zerstören will, kommt er langsam dem Geheimnis auf die Schliche. Als sich die letzte Tür nach Arkan öffnet, einer Welt, die unserer genau gleicht, nur dass sie angeblich knapp 30 Jahre voraus ist, tritt er eine folgenschwere Reihe von Ereignissen los.

Das Buch finde ich sehr gelungen. Es ist spannend, liest sich leicht und ist dabei stellenweise auch recht humorvoll. Allerdings nicht nur das, denn Lukianenko gehts auch auf die heutige und frühere politische Situation Russlands ein, auf die Missstände, und versucht Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Das alles ist aber sehr geschickt eingebaut, sodass das Buch wirklich interessant ist.

Am Anfang der einzelnen Kapitel findet man jeweils kurze, unterhaltsame Gedanken des Autors: über nächtelanges Durchsaufen, Bettelei, der Unterschied zwischen dem Mord an Frauen, Männern, Kindern und Alten, darüber, warum man als Erwachsener nicht wie ein Kind über Wiesen hüpft.

Die Idee von mehreren Welten, in die man einfach reisen kann, fasziniert mich total, ist aber auch nicht ganz neu. Kirill kann sich am Strand sonnen, geht einmal durch den Turm und steht dann im verschneiten Kimgim. Auf die Welten wird aber nicht besonders intensiv eingegangen, man erfährt zwar grundlegende Sachen darüber, aber es würde vermutlich wirklich den Rahmen sprengen, jede davon noch genauer zu beschreiben.

Der Anti-Held wirkt sympathisch, und auch durch seine übernatürlichen Fähigkeiten wird das nicht anders. Allerdings ist es schon ein wenig sonderbar, dass er seine neue Situation so gelassen hinnimmt. Immerhin ist er für alle, die ihm je wichtig waren, jetzt ein vollkommen Unbekannter. Er hat keine Freunde und auch seinen geliebten Hund nicht mehr. Doch er bleibt absolut kühl und wirkt irgendwie distanziert. Er ist ein wenig vorfreudig, was ihn erwartet, hat aber weder Angst, als er den verlassenen, abgelegenen Wasserturm betritt, noch trauert er seinem alten Leben hinterher.

Der Schreibstil Lukianenkos ist ziemlich locker, das Buch liest sich wirklich flott und bald gelangt man dann auch schon ans Ende. Das war zwar ok, aber ein wenig kurz. Plötzlich ging alles total schnell und ich hab ehrlich gesagt nicht mehr so ganz durchgeblickt, was eigentlich passiert. Da hätte sich der Autor schon noch ein wenig mehr Zeit nehmen können.


Insgesamt ein sehr spannendes Buch, das ich regelrecht verschlungen habe. Allerdings mit einem etwas enttäuschenden, zu kurzem Ende, das ich nicht ganz verstanden habe. Ob wohl der zweite Teil "Weltenträumer" das noch klärt? Möglich. Mir gefällt der Stil richtig gut und das wird bestimmt nicht mein letztes Buch von Lukianenko gewesen sein.

1 Kommentar:

  1. Hört sich insgesamt wirklich gut an! Ich weiß nicht, ob es was für mich wäre, aber mal schauen :)
    Liebe Grüße :)

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