[Rezension] Der Keller (Richard Laymon)






Titel: Der Keller
Autor: Richard Laymon
Preis: 15€
Seiten: 1232
Maße: 20,6 x 13,4 x 5,8 cm
Format: Taschenbuch
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 04. August 2008







Richard Laymons „Der Keller“ ist eigentlich ein Sammelband, der 3 Romane beinhaltet, nämlich „Im Keller“, „Im Horrorhaus“ und „Mitternachtstour“.
Diese (Teil-)Romane kann man theoretisch einzeln lesen, da sie voneinander unabhängige Geschichten erzählen. In allen dreien geht es aber um dasselbe Haus, in dem sich blutrünstige Bestien herumtreiben.
Hauptschauplatz dieses Romans ist das sogenannte „Horrorhaus“ in dem kleinen Ort Malcasa Point. Vor vielen Jahren begann dort eine grausame Mordserie. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Tote. Es heißt, eine Bestie, die dort haust, soll die Opfer brutal zerfetzt haben. Mittlerweile ist das Haus eine gut besuchte Touristenattraktion. Doch neue Morde erschüttern das Dorf. Und das Grauen beginnt erneut.

Im Keller (S. 7-252)
Donna Hayes ist mit ihrer Tochter Sandy auf der Flucht vor ihrem gerade aus der Haft entlassenen Ex-Mann Roy, der sich vor mehreren Jahren an der Minderjährigen vergangen hat. Er hat Donna Rache geschworen, weil sie ihn anzeigte und somit ins Gefängnis brachte.
Aufgrund einer Autopanne müssen die beiden in dem kleinen Nest Malcasa Point – 400 Einwohner – einen ungeplanten Zwischenstopp einlegen. Hauptattraktion des Ortes ist das unheimliche „Horrorhaus“, in dem eine Bestie ihr Unwesen treibt.
In diesem Ort treffen wir auch auf Lawrence (Larry) Maywood. Er ist einer der wenigen, die eine Begegnung mit der Bestie überlebt haben. Nach aktuellen Morden beschließt er, die Bestie zu Töten. Da er jedoch nicht mehr der Jüngste ist, kommt es ihm recht gelegen, dass er Judgment Rucker kennenlernt. Jud bietet Larry an, die Bestie gegen Bezahlung zu töten. 
Diese fünf Personen begegnen sich schließlich alle in Malcasa Point. Als der rachsüchtige Roy auftaucht, ist schnell klar, wo man ihn loswerden kann - im Horrorhaus.

Das Horrorhaus (S. 253-578)
Die zwei Freundinnen Tyler und Nora sind auf der Rückreise von einer Konferenz. Als Tyler in alten Erinnerungen an ihre vergangene Liebe Dan Jenson schwelgt, beschließt die energische Nora spontan, ihn in seiner alten Heimat zu besuchen, die – mehr oder weniger – auf dem Weg liegt.  Tyler ist von der Idee nicht besonders angetan, kann sich aber auch nicht durchsetzten. Sie bringen in Erfahrung, dass Dan als Polizist in einem Ort namens Malcasa Point arbeitet.
Auf dem Weg dorthin werden sie auf einer kurvigen Straße von einem Pick-Up-Fahrer bedrängt. Zufällig kommen die zwei Ex-Marines Abe und Jack an den beiden vorbei und können zum Glück schlimmeres verhindern. Da die beiden gerade frisch entlassen worden sind, machen sie gerade Urlaub und haben nichts Besonderes vor, daher begleiten sie die beiden Ladys nach Malcasa Point.
Auch den Schriftsteller Gorman Hardy treibt es dorthin. Er hat vom „Horrorhaus“ erfahren und wittert eine großartige Story. Die Tochter der Hotelbesitzer - Janice Crogan - hat ihm ein geheimes Tagebuch der ersten Hausbesitzerin zukommen lassen. In diesem wird die Bestie genauestens beschrieben. Und noch andere Grausamkeiten. Das könnte ein riesen Erfolg werden, den er sich natürlich nicht entgehen lassen kann. Seinen Assistenten Brian bringt er ebenfalls gleich mit.
Dafür muss natürlich ermittelt werden. Und wo ginge das besser, als nachts im Horrorhaus selbst? 

Mitternachtstour (S. 579-1232)
Viele Jahre sind seit den letzten grausamen Vorfällen im Horrorhaus vergangen. Damals wurden alle Bestien getötet. Janice Crogan hat das Massaker überlebt und ein Buch darüber geschrieben, das sehr erfolgreich geworden ist. Das Buch wurde sogar verfilmt. Neben den Führungen im Horrorhaus gibt es jetzt noch ein Horrorhausmuseum sowie eine exklusive, unzensierte Mitternachtsführung. Sie findet natürlich um Mitternacht statt mit nur einer kleinen Gruppe und man erfährt dort allerhand Informationen, die in der regulären Führung nicht erwähnt werden - ein Muss für echte Fans.
Und angeblich absolut ungefährlich. Bis zur der Nacht, als eine Gruppe der Bestie begegnet.

„Eine unanständige, billige Show - Sie werden sie lieben“


„Im Keller“ beginnt schon mal nicht als leichte Kost. Donnas wütender Ex-Mann Roy hinterlässt auf seinem Weg zu ihr eine blutige Spur aus Missbrauch, Entführung und Mord. Meiner Meinung nach könnte das dem ein oder anderen schon zu pervers und abartig sein. Aber an dieser Stelle sei schonmal gesagt, Kindesmissbrauch kommt in diesem Teil mehr als nur einmal vor. Laymon geht allerdings nicht zu stark ins Detail, lässt also genug Platz für die eigene Phantasie.

Die ersten beiden Teile "Im Keller" und "Das Horrorhaus" kann man durchaus lesen. Die Geschichten sind schon ok. Allerdings wiederholt sich ziemlich viel. Man hört immer wieder dieselbe Führung durch das Horrorhaus, und zwar teilweise mehrmals in einem Teil und zwar wortwörtlich genau wiederholt. Muss das denn sein? Auch der Aufbau ist immer gleich. Hübsche Frauen treffen auf attraktive Männer und stürzen sich dann gemeinsam ins Verderben. Sagen wir mal so: Solange man während des Lesens nicht viel über die Geschichte nachdenkt ist das Buch durchaus ein guter Zeitvertreib. Nur leider oft nicht so richtig nachvollziehbar. Zu oft denke ich mir "oh Leute, das kann doch nicht euer Ernst sein?!". Außerdem entpuppt sich die Bestie (bzw. stellt sich ja heraus, dass es sogar mehrere sind) als eigentlich gar nicht sooo blutrünstiges Monster, das nur Leute zerfetzen will. Ok, es zerfetzt Leute und es frisst Leute. Aber hauptsächlich will es Sex und ist zu diesem Zweck mit einem enorm großen Penis ausgestattet, der sogar einen Mund mit Zähnen und Zunge hat... Bitte was? Die Frauen, die von der Bestie vergewaltigt werden, können gar nicht genug davon bekommen, obwohl sie immer mehrere Kratz- und Bisswunden etc. davontragen und man sich sowas doch eigentlich recht schmerzhaft vorstellt.. Im Haus der zweiten Horrorhausbewohnerin werden mehrere Leute gefangengehalten und die Bestien wohnen natürlich auch dort. Die damals gerade ca. 13 Jahre alte Sandy ist richtig begeistert von den ständigen Sexorgien. Sie ist sogar schwanger von einer der Kreaturen. Die Nachfahren der Bestien sind übrigens immer männlich. Klingt ja logisch, warum auch nicht?! Irgendwie wirkt die ganze Geschichte doch recht abgehoben. Und besonders anspruchsvoll ist sie auch nicht.

Der dritte Teil "Die Mitternachtstour" weicht zum Glück etwas von den anderen beiden Storys ab. Oder auch nicht. So richtig warm werd ich mit der Geschichte nicht. Ich finde diesen Teil ziemlich unlogisch. Sandy, die die Vorfälle der ersten beiden Teile überlebt hat, muss aus Malcasa Point flüchten, weil sie einen Regisseur gekillt hat, die sie als Hauptrolle für seinen Film wollte. Sie macht es sich mit ihrem Bestien-Sohn in einer Hütte etwa 100 Meilen davon entfernt in einer Hütte bequem. Natürlich, nachdem sie den Besitzer erschlagen und vergraben hat...Die Jugendliche scheint regelrecht zu einem Killer mutiert zu sein. Irgendwann, als ihr ihr Sohn Eric abhanden kommt, beschließt sie, mit einer falschen Identität nach Malcasa Point zurückzukehren. Sie gibt sich als Polizistin aus, und anscheinend fällt auf der Polizeiwache niemandem auf, dass sie keine dementsprechende Ausbildung hat. Alles nicht so richtig logisch. Wie auch immer.. dieser Teil enthält natürlich auch wieder eine Liebesgeschichte, die das Ganze nur unnötig in die Länge zieht. Der Teil, in dem die Bestie im Horrorhaus über die Gruppe, die gerade die Mitternachtstour mitmacht, herfällt, kommt ziemlich kurz. Und am Ende bleiben relativ viele Fragen offen.

Nicht unbedingt Laymons beste Romane. Bei mir kommt kein richtiges Gefühl der Angst oder Panik oder des Entsetzens auf. Einen gewissen Ekelfaktor hat das Buch natürlich schon, aber richtig begeistern konnte es mich nicht. Mittelmäßig, stellenweise recht unlogisch und es wiederholt sich Vieles. Wenn man nicht zu viel nachdenkt, kann man es trotzdem recht flüssig lesen.

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