[Rezension] Der Nachtwandler (Sebastian Fitzek)






Titel: Der Nachtwandler
Autor: Sebastian Fitzek
Preis: 9.99€
Seiten: 318
Maße: 18,8 x 12,6 x 2,4 cm
Format: Taschenbuch
Verlag: Knaur
Erscheinungsdatum: 14.03.2013

"Wer bist du, wenn du schläfst?
Wegen massiver Schlafstörungen wurde Leon in seiner Jugend psychiatrisch behandelt. Seit langem glaubt er sich geheilt - doch als eines Nachts seine Frau unter mysteriösen Umständen verschwindet, keimt ein schrecklicher Verdacht in ihm: Ist er, wie damals, im Schlaf gewalttätig geworden?
Um seinem nächtlichen Treiben auf die Spur zu kommen, befestigt Leon eine bewegungsaktive Kamera an seiner Stirn - und entdeckt beim Betrachten des Videos Unfassbares: Sein schlafwandelndes Ich steigt durch eine ihm unbekannte Tür seines Zimmers hinab in die Dunkelheit..."


Leon Nader ist ein junger Architekt, der beruflich auf einem guten Weg ist. Seine Frau Natalie ist Fotografin und leitet zusammen mit einer Freundin eine eigene Galerie. Die beiden führen ein anscheinend glückliches Leben und haben eine tolle gemeinsame Wohnung. Doch eines Nachts flüchtet Natalie. Leon wacht auf und sieht, wie sie - körperlich und seelisch geschädigt - ihre Koffer packt und davonläuft. Er rennt ihr nach, kommt aber nicht mehr rechtzeitig, um sie aufzuhalten. Sie ist bereits aus dem Haus verschwunden und nicht mehr auf der Straße zu sehen.

Die Tage danach sind für Leon eine schlimme Zeit. Er ist verwirrt, macht sich aber bald Vorwürfe, weil er zu dem Schluss kommt, dass er für die Flucht seiner Frau verantwortlich sein muss. Als Kind litt er unter seinen Anfällen als Schlafwandler, ist aber laut seines damaligen Psychiaters geheilt und neigt auch nicht zur Gewalttätigkeit. Die jüngsten Vorfälle lassen ihn daran aber erheblich zweifeln.
Als er immer mehr Anzeichen für erneute Schlafwandelaktivitäten erkennt, entscheidet er sich dazu, sich eine spezielle Kamera zu besorgen. Diese schnallt er sich auf den Kopf und will damit sein nächtliches Treiben filmen. Doch das Video, das er aufgenommen hat, offenbart ihm Unglaubliches: er schiebt im Schlaf seinen massiven Schlafzimmerschrank weg, öffnet eine dahinter verborgene Geheimtür und steigt dann in einen dunklen Schacht hinab. In der Dunkelheit liegt ein geheimes Labyrinth, und als Leon es das erste Mal bewusst betritt, beginnt der wahre Alptraum.

Das Buch ist von Anfang an sehr spannend geschrieben. Fitzek schafft es, von Beginn an eine sehr düstere und unheilvolle Atmosphäre zu schaffen. Er arbeitet viel mit Dunkelheit und Geräuschen, aber auch die Nebenfiguren sind sehr gut eingebracht. Da ist zum Beispiel die Nachbarin Ivana Helsing, eine ältere Dame, die der Meinung ist, im Haus gehe es nicht mit rechten Dingen zu. Ihre unheimlichen Äußerungen sorgen definitiv für eine düstere Stimmung. Außerdem gibt es noch einen sonderbaren Postboten, einen etwas verrückten Apotheker, der dauernd dasselbe Stück auf Klavier spielt und noch ein paar andere merkwürdige Hausbewohner. Später tritt auch der ehemalige Psychiater von Leon sowie ein Polizist ins Bild. Die Personen ergänzen die Geschichte und Atmosphäre sehr gut.

Immer mehr merkt man, wie Leon die Kontrolle über Raum und Zeit verliert. Er ist zutiefst verstört, weiß viele Dinge nicht mehr, wie z.B. dass sein Geschäftspartner Sven sich das Modell ihres aktuellen Projekts ausgeliehen hat und ist deswegen total zerstreut, weil er es einfach nicht mehr finden kann. Er schläft teilweise den ganzen Tag und wacht dann aufgewühlt auf, mit dem Gefühl, es wäre erst in der Früh, hat aber sämtliche seiner Termine verpasst. Das alles wirkt sehr verstörend und nicht zu konstruiert, man wird regelrecht in den Strudel des Wahns mit reingesogen.

Leon erkundet in seinen "wachen" Phasen weiterhin das Labyrinth auf eigene Faust. Er zieht niemanden zu Hilfe, weil er Angst davor hat, was er entdecken könnte. Er findet auf seinen Erkundungen immer mehr Hinweise darauf, dass er seine Frau in irgendeine Ecke dieses Irrgartens verschleppt hat. Nach mehreren Anläufen findet er sie auch. Die Story nähert sich dann dem Ende. Darüber möchte ich aber nicht viel erzählen, denn die überraschende Wendung sollte man lieber selbst erkunden. Das würde sonst das Lesevergnügen zunichte machen.

Ein wenig enttäuscht war ich dann aber doch über das, was man im Epliog noch erfährt. Im Nachhinein hätte ich ihn am Liebsten nicht gelesen. Das kann man so oder so sehen, denn er bietet eine mehr oder weniger nachvollziehbare Erklärung für die Geschehnisse. Also eigentlich ein stimmiges Ende, das nicht zu sehr aus der Luft gegriffen scheint, sondern gut zu dem Rest passt. Eine weniger "normale" Erklärung (oder gar keine) hätte mir ein wenig besser gefallen, da der Schluss schon ziemlich ernüchternd war und einen aus der Phantasiewelt des Schlafwandelns wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt hat - und zwar etwas unsanft.

Alles in allem wirkt das Buch an manchen Stellen zwar zu schnell und hektisch, ist aber durchweg richtig spannend. Es gibt keine langen, faden Pausen. Die Schilderungen der Gewalt sind zwar sicher nichts für jeden, ich fand sie aber auch nicht unnötig übertrieben. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Buch gewiss nicht auf der ausfühlichen Darstellung physischer Gewalt. Diese Szenen dienen eher als Anregung für den Leser, die Phantasie ein wenig spielen zu lassen. Insgesamt ist "Der Nachtwandler" ein sehr stimmiges Buch mit passender Atmosphäre. Klar, an manchen Stellen wirkt es etwas abgehoben und fern der Realität. Aber was anderes kann man ja auch nicht erwarten, wenn es um Schlafwandeln, Wahn und geheime Labyrinthe hinter dem Schlafzimmerschrank geht. Das Ende war aber relativ ernüchternd. Manchmal sollte man besser nicht alles aufklären.
Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen, so sehr hat es mich gefesselt.




Kommentare:

  1. Hallo,

    ich lese das Buch gerade und bin sehr enttäuscht. Dieses ewige Hin und Her zwischen Traum und Realität lässt den Leser permanent fragen: Ist das nun Traum oder Realität? Auch empfinde ich es als relativ langweilig, dass sich die Story einzig und allein in Leons Wohnung bzw. seinem Wohnhaus zuträgt.

    Mich zumindest fesselt dieses Buch nicht, leider. Ich habe schon einige Romane von Sebastian Fitzek gelesen und war begeistert (grandios: "Amokspiel"!), aber bei diesem hier bin ich froh, wenn ich endlich am Schluss angelangt bin (was noch 34 Seiten bedeutet).

    Lieben Gruß

    Gabi

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    1. Hallo, da sieht man mal wieder, wie verschieden Geschmäcker sind. Mich stört das Hin und Her überhaupt nicht, finde eben genau das das Besondere an diesem Buch :) und dass die Handlung so gut wie ganz in dem Haus spielt, hat mich auch überhaupt nicht gelangweilt.

      Liebe Grüße

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  2. Ich hab mir das Buch auch vor einigen Wochen gekauft, es allerdings leider noch nicht anfangen können. Allerdings bin ich eine große Fitzek-Verehrerin und freu mich wirklich schon drauf, mich mal gemütlich ins Bett zu hauen und es in einem Rutsch durchzulesen! :)

    LG

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  3. Hallo,

    ich bin gerade über den Blog-Zug auf deinen Blog gestoßen und habe diese Rezension entdeckt. Ich fand das Buch total spannend und konnte es auch kaum aus den Händen legen. Dass bei manchen Verwirrung aufkommt weil es immer zwischen Traum und Realität springt, kann ich aber gut verstehen. Mir ging es zum Glück nicht so und ich war ziemlich begeistert.
    Wenn du Lust hast kannst du ja auch meine Rezension zu diesem Buch durchlesen.

    http://linsenliebe.blogspot.de/2013/05/der-nachtwandler-buchgefluster.html

    Ich mache auf meinem Blog gerade auch ein Gewinnspiel zu einem Thriller, den ich für den Gewinner exklusiv signieren lassen werde. Eventuell ist das ja auch was für dich?

    Liebe Grüße,

    Johanna

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